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Indianer Bogen
Der Bogen und die Roten Brüder Old Shatterhands
Wenn hier in Deutschland von Pfeil und Bogen die Rede ist, so verbindet man
diesen Begriff unwillkürlich mit dem des roten Mannes. Wohl lernt man
in den Schulen auch die hunnischen oder tartarischen Bogenreiter kennen aber
alle diese Kenntnisse treten in den Hintergrund, wenn von Pfeil und Bogen
die Rede ist. Vielleicht liegt es auch daran, daß jeder als Kind beim
Indianerspielen schon einmal einen Bogen in der Hand hatte. Oft wird gesagt
das die Indianer zu den schlechtesten Bogenschützen zählen, die
es überhaupt gab oder gibt. Ist dies richtig? Waren die Rothäute
wirklich so schlechte Bogenschützen?
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Ein sehr drastischer Bericht eines Kolonisten aus der Karibischen See, der 1608 erschienen ist, vermittelt uns einen Eindruck von der Treffsicherheit der dort beheimateten Stämme. Er stammt aus einem Buch mit dem Titel "Another Class of Indian News: "or a true and tragical Discourse, showing the lamentable Miseries endured by Sixtty-Seven Englishmen" zu Deutsch " Neue Nachrichten von den Indianern: oder eine wahre und tragische Abhandlung, welche von dem beklagenswerten Schicksal berichtet, unter dem 67 Engländer zu leiden hatten". Diesem Bericht sind folgende Sätze entnommen:" Als Sie ( die Indianer) sahen, daß wir mit unseren Kanonen nicht trafen, kamen sie so nahe heran, daß sie sich auswählen konnten wo sie uns treffen wollten. Einigen von uns wurde direkt ins Gesicht geschossen, anderen durch die Schulter und manche wurden durch einen Schuß in die Füße am Boden festgenagelt." Der Bericht sagt nichts darüber, aus welcher Entfernung die Engländer beschossen wurden, aber wenn man in einem Kampfesgetümmel noch in der Lage ist, auch bei relativ kurzen Entfernungen mit dem Bogen jemand an einer bestimmten Körperstelle zu treffen, so gehört dazu schon eine ganz bestimmte Geschicklichkeit. Also waren die Indianer doch keine schlechten Bogenschützen ? Um darauf eine Antwort geben zu können, muß man doch mehr aus der Geschichte der Indianer wissen.
Die Indianer, Vettern der besten Bogenreiter in der
Geschichte.
Über die Herkunft der Indianer existieren verschiedene Theorien. Am einleuchtendsten
und wahrscheinlichsten aber ist die Feststellung, daß sie über
die Beringstraße aus Asien eingewandert sein müssen. Diese Zuwanderung
geschah wohl nicht in einem Zug, sondern zu verschiedenen Zeiten, so daß
sich auch die Fertigkeiten, den Bogen zu handhaben oder zu bauen, verschiedene
Entwicklungsstufen voneinander unterscheiden.
Die in Südamerika beheimateten Indianer sind danach als erste zugewandert,
und so waren ihre Waffen auch primitiv und nur von geringer Reichweite. Daß
sie sich nicht weiterentwickelt haben, liegt schließlich daran, daß
es in den dortigen Urwäldern gar nicht notwendig war, eine größere
Schußweite zu haben; denn der Jäger war in der Lage, sich sehr
nahe an das Opfer heranzuschleichen. Im Norden des Kontinents war das Land
von Eskimos besiedelt, dem Stamm, der wohl als letzter zugewandert ist und
deshalb in bezug auf den Bogen auch am weitesten fortgeschritten war und durch
die völlig kahle Landschaft sich auch gezwungen sah, seine Waffen und
seine Schießkunst weiter zu vervollkommnen.
Dazwischen gab es – als der erste weiße Mann seien Fuß auf
den Neuen Kontinent setzte – viele Tausend Stämme die auf verschiedenen
Kulturstufen standen. Hätte man diese nicht in ihrer Entwicklung gestört,
vielleicht wären auch dort große Reiche entstanden von langer Dauer,
so wie sie zum Beispiel die Mayas oder Inkas errichteten, über deren
Kultur noch heute großes Staunen herrscht. So viele Stämme es gab,
so sehr variierten aber auch die Ausführungen des Bogens, und die Theorie,
daß die Zuwanderung zu verschiedenen Zeiten erfolgte, wird durch die
Tatsache erhärtet.
Wann kamen nun die ersten Völker aus Asien zugewandert und wann die letzten?
Genau läßt sich das nicht sagen; aber es ist mit Sicherheit anzunehmen,
daß die ganze Wanderung abgeschlossen war, ehe in Asien das Pferd heimisch
wurde, Es gab zwar im Gebiet der amerikanischen Staaten einen Vorläufer
des Pferdes; das letzte Exemplar dieser Gattung allerdings war ausgestorben,
als die ersten Scharen über die Beringstraße kamen. Dem Indianer
war das reiten völlig unbekannt, und auch in ihren Sagen sucht man vergeblich
nach einem Hinweis auf das Pferd. So ist es erklärlich, daß, als
die ersten Spanier zu Pferd angeritten kamen, die Indianer Reiter und Pferd
als ein Einziges betrachteten und entsetzt waren, als sich dieses einzige
in zwei selbständige Teile aufzulösen begann. Als sie dann aber
mit dem Pferd nähere Bekanntschaft machten und auch das Reiten erlernten,
wußten sie sofort dessen Wert zu schätzen, und es darf daher als
sicher angenommen werden, daß sie ihre Herden mitgebracht hätten,
wenn sie in ihrer asiatischen Urheimat das Pferd überhaupt gekannt haben
würden.
Auf den jeweiligen Zweck kam es an
Wenn auch die Bekanntschaft mit dem roten Mann oft unter ganz verschiedenen
Umständen geschlossen wurde, so konnte man doch ausreichende Kenntnisse
über den Stand des Bogenschießens vor und nach der Besiedelung
durch die Weißen gewinnen. Ein Blick auf die verschiedenen Bogenarten
zeigt, daß in einer bestimmten Gegend immer die Bogenform vorherrschte,
die für den jeweiligen Gebrauch am geeignetsten war. Die Eignung stand
über allen anderen Voraussetzungen und wurde letzten Endes auch davon
bestimmt, ob das zur Anfertigung der Ausrüstung erforderliche Material
in dieser Gegend überhaupt zu haben war. Das bedeutet nicht, daß
es, wie zum Beispiel der Feuerstein für die Pfeilspitzen, dort unbedingt
auch vorkommen mußte – es kann auch durch Händler geliefert
worden sein oder man hat Kriegszüge unternommen, um die Stellen, wo der
Feuerstein gefunden wurde, in Besitz zu bekommen. Um solche Plätze wurde
erbitterte kämpfe ausgefochten, und die Stämme, die derartige Fundstellen
beherrschten, mußten oft genug nachfolgenden stärkeren Scharen
weichen. Im übrigen hat man festgestellt, daß der wert des Feuersteins
nicht von ungefähr war. Es wurde in neuerer Zeit nachgewiesen, daß
Pfeilspitzen aus Feuerstein in der indianischen Form eine bessere Durchschlagskraft
haben als Metallspitzen der uns bekannten Art. Aus diesem Grund werden von
Herstellern in den USA heute wieder Metallspitzen gefertigt, die den indianischen
Feuersteinspitzen in der Form aufs Haar gleichen.
Als die alte indianische Lebensform durch das Auftauchen des weißen
Mannes gestört wurde, waren alle Stämme ohne Ausnahme Jäger,
und sie lebten als Jäger, solange es nur irgendwie ging. Auch die hochzivilisierten
Völker wie die Mayas oder die Inkas waren weitgehend auf die Jagd eingestellt.
Besonders die nordamerikanischen Indianer waren fast völlig von den großen
Büffelherden abhängig, und als der Weiße diese rücksichtslos
reduzierte, waren viele Stämme zum Aussterben verurteilt.
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In den nordamerikanischen Gebieten war die Kampfführung
völlig verschieden. Die ersten Weißen, die ins Land kamen, mußten
zunächst einen breiten Waldgürtel durchstoßen, ehe sie die
großen Steppen erreichten. Das Vordringen des weißen Mannes erfolgte
fast ausschließlich von der Ostküste her, und dort trafen die weißen
Kolonisten aus England, Frankreich und Holland auf Indianerstämme, die
aus dem Hinterhalt kämpften und alle Vorteile des bewaldeten Geländes
für sich zu nutzen verstanden; "Spezialisten im Dschungelkrieg"
würde man sie heute nennen. Schnell jedoch lernten die Weißen von
den Indianern - und umgekehrt. Anders verliefen die Gefechte, als die Kolonisten
schließlich doch den Waldgürtel hinter sich gebracht hatten und
die weiten Prärien Erreichten.
Aber auch dort wären die Siedler den Indianern vielleicht nicht lange
Zeit gewachsen gewesen wenn ihnen nicht eine Erfindung von weittragender Bedeutung
zur Hilfe gekommen wäre: das Repetiergewähr. Es darf angenommen
werden, daß nur mit dessen Hilfe die so lange dauernden Indianerkriege
gewonnen werden konnten. Man rechnet das ein Indianer etwa acht Pfeile verschießen
konnte, ehe ein Gewehrschütze in der Lage war, seine abgeschossene Waffe
neu zu laden. Von dem Moment an als das Repetiergewehr allgemein verbreitet
wurde, entschieden sich schließlich immer mehr Gefechte gegen die Indianer,
und als diese dann doch auch in den Besitz solcher Waffen kamen, da war die
Zahl der Weißen schon so angestiegen, daß die Indianer nicht mehr
dagegen aufkommen konnten. Nicht der Indianer selbst ist schuld daran, daß
er als Bogenschütze in der Geschichte der Menschheit keine Rolle gespielt
hat, sondern die Umstände. So aber muß man sagen das der Indianer
wohl ein guter Bogenjäger gewesen ist, daß er aber bei einem Turnier,
wie man es heute veranstaltet, nicht über den durchschnitt hinausgekommen
wäre. Es muß wieder daran erinnert werden, daß der Indianer
den Bogen als Mittel zur Nahrungsbeschaffung betrachtete und zufrieden war,
wenn er auf den Schuß sein Wild erbeuten konnte. Denn in erster Linie
war der Indianer mit dem Bogen ein Jäger und erst in zweiter Linie ein
Krieger
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