• Adventskalender
  • 6
    Hinter diesem Türchen gibt es
    für dich ...

    Da Nikolaus

    Wie ich noch klein war, da hab ich an’s Christkindl und an den Osterhasn g’laubt.
    Und an den Nikolaus glaub i heut noch manchmal.
    Bloß im Gegensatz zum Christkindl oder Osterhasn, hab i vorm Nikolaus eine Mordsangst g’habt.

    Jed’s Jahr war’s des gleiche, je näher der Abend kommen is, umso größer is mei Angst word’n.
    Während ich in der Früh noch vor meinen G’schwistern mächtig angeben hab, dass ich heuer
    gar keine Angst hab und mich der Krampus mit seiner Rut’n sowieso ned krieg’n tät, weil ich
    viel schneller wär, hab ich ab Nachmittag so um drei Uhr ang’fangen, mir ein gutes Versteck
    zu suchen, wo ich dann erst wieder rauskommen tät, wenn der Nikolaus und der Krampus
    gegangen wär’n.
    Leider hat mei Mutter auch alle Verstecke kennt und wenn’s dann abends so weit war und es
    laut an der Tür poltert hat, da hat sie ganz genau g’wusst, wo ich wieder steck und bevor
    ich g’merkt hab, wie mir’s geschieht, hat sie mich auch schon unterm Tisch
    - oder Schrankl - oder Bett - oder sonst was rauszogen und mich ans End der Reihe,
    zu meine G’schwister dazug’stellt.

    Und dann war er da!
    Der Nikolaus, mit seinem roten G’wand und seinem weißen Bart, riesengross mit seiner
    Bischofsmütz’n. Und der Krampus erst, mit seinen Hörnern und seinem Sack, drohend
    die Rute schwingend.
    Zuerst ham ma immer ein Gedicht aufg’sagt und a Liadl g’sunga, bloß i hob vor lauter
    Angst koa Wort aussabracht.
    Dann hat der Nikolaus meinem Bruder die Hand auf’d Schulter g’legt und g’meint:
    „Bist eigentlich ein ganz ein Braver, bloß beim Helfen sollst dich nicht immer drücken
    und deine Schwestern sollst auch ned dauernd ärgern, gell?“
    Freilich hat mei Bruder ihm versprochen, dass er sich bessern wird - der Feigling !
    Und scho hat er sei Sackal ausg’händigt griagt.
    Danach hat der Nikolaus meiner großen Schwester die Hand g’reicht
    und sie hat brav an Knicks gmacht, - die Schleimerin!
    „Ja, bei dir da gibt’s ja garnix zum Aussetzen, du bist ein ganz ein braves Maderl.
    Hilfst immer der Mutter fleissig, hast lauter gute Noten in der Schul’ und bist
    immer zu allen recht höflich. Machst deinen Eltern viel Freude, hab ich mir sagen lassen.“
    „Dankschön.“ hat mei Schwester g’säuselt, wia da Nikolaus ihr des Sackal geben hat
    und macht nochamal an Knicks, das’d Nas’n fast am Boden aufkimmt -
    da graust’s ma glei bei soviel Scheinheiligkeit.
    Dann hat er sich runterbückt zu meiner kleinen Schwester, mit ihre drei Jahr versteht's
    noch ned so viel, hebt aber glei die Arm und will auf’n Nikolaus sein Schoss –
    des damische Weibsbild!
    Der hebt’s auch noch hoch, druckt ihr a Sackal in’d Hand und sagt bloss:
    „Für’s kleine Spatzerl hat der Nikolaus auch was, da schau a mal.“
    Und des war schon alles? Obwohl’s mich doch immer die ganze Zeit zwiebelt!
    Zuletzt dreht sich der Nikolaus zu mir um. Meine Knie san scho ganz weich, weil i
    freilich weiß, dass i ned immer so brav bin. Da rasselt der Krampus auch schon mit der Kett’n,
    hebt ma den Sack vors Gesicht und schwingt sei Rut’n. Und da soll’s oam ned anders wer’n?

    Zum ersten Mal an diesem Abend holt der Nikolaus sein grosses, goldenes Buch raus
    und mir wird ganz anders. Des muss ja wieder ein ganzer Haufen sein,
    dass er sich’s ned amal merken kann, was i ois og’stellt hab.

    Aber i hab’ koa Angst!
    Soll er doch sagen was er will, von mir aus kann er sein damisches Sackal behalten!
    Wer braucht des scho?

    Streng schaut er mi jetz über seinen Brillenrand an, der Nikolaus:
    „Ja, bei dir iss ned so einfach. In der Schul magst ned stillsitzen und staadsein.
    Kannst keine fünf Minuten sauber bleiben. Duast dei große Schwester immer verhaun.
    Zerreisst deine ganzen Kleidl, weils'd auf jeden Baum aufe mußt. Wenn’sd aufräumen sollst,
    dann schmeißt alles unter dei Bett und wenn irgendwas zu Bruch geht,
    dann war’sd es ganz bestimmt du! Auch wenns’d es nachher ned zugeben magst....“
    Ganz bös schaug ihn o und denk ma bloss: Ja, aber liaba a so,
    ois wia a Feigling wia mei Bruada, a scheinheilige Schleimerin wia mei große
    oder a damische Nuss wia mei kloane Schwester!

    Jetzt schüttelt der Nikolaus sein Kopf und schaugt mi traurig o.
    „Was soll ich denn nur mit dir machen? Jed’s Jahr is des des gleiche Drama.
    Wenn jetzt ned noch irgendeiner was Nett’s über dich berichten kann,
    dann werd dich der Krampus wohl in sein Sack einistecken müssen.“
    Aus meinem bösen Blick, wird jetzt schlagartig ein angstvoller.
    Da tritt mei Mutter hinter mich und legt mir ihre Händ auf die Schultern.
    „Lieber Nikolaus, des wird wohl ned nötig sein. Ich kann dir schon auch
    gute Sachen berichten. Zum Beispiel passt’s brav auf ihr kleine Schwester auf,
    wenn ich kurz weg muss. Und wenn’s auch in der Schul arg zappelig is,
    so hat’s doch gute Noten. Im Großen und Ganzen is ein liebes Kind,
    wenn auch arg batscherd.“

    Gott sei dank is meiner Mutter noch rechtzeitig was eing’falln.
    Der Nikolaus nimmt sein Bart in’d Hand und reibt ihn zwischen seine Finger,
    ernst schaugt er mi o.
    „Ja, wenn das so ist, dann lass ma dich ausnahmsweise noch ein weiteres Jahr
    bei deiner Mutter. Aber nur, wenn’sd mir versprichst, dass dich arg anstrengst
    und bis zum nächsten Mal bessern tust, gell?“
    Er reicht mir mei Sackal und i mach scheinheilig einen tiefen Knicks und
    sag noch feige: „Danke lieber Nikolaus. Freilich will ich mich bessern – i versprech’s!“

    Doch kaum war’n der Nikolaus und der Krampus dann draußen bei der Tür,
    da hab i eana die Zung rausbleckt und g’rufn, aber so dass keiner hört:
    „Nächstes Mal? Da hab i ganz g’wiß koa Angst mehr vor Euch!“

    Eva-Maria Herrmann

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