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Stories

Indianer Bogen

von paul.kolb am Freitag 14. September 2012, 14:35
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Der Bogen und die Roten Brüder Old Shatterhands
Wenn hier in Deutschland von Pfeil und Bogen die Rede ist, so verbindet man diesen Begriff unwillkürlich mit dem des roten Mannes. Wohl lernt man in den Schulen auch die hunnischen oder tartarischen Bogenreiter kennen aber alle diese Kenntnisse treten in den Hintergrund, wenn von Pfeil und Bogen die Rede ist. Vielleicht liegt es auch daran, daß jeder als Kind beim Indianerspielen schon einmal einen Bogen in der Hand hatte. Oft wird gesagt das die Indianer zu den schlechtesten Bogenschützen zählen, die es überhaupt gab oder gibt. Ist dies richtig? Waren die Rothäute wirklich so schlechte Bogenschützen?
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Ein sehr drastischer Bericht eines Kolonisten aus der Karibischen See, der 1608 erschienen ist, vermittelt uns einen Eindruck von der Treffsicherheit der dort beheimateten Stämme. Er stammt aus einem Buch mit dem Titel "Another Class of Indian News: "or a true and tragical Discourse, showing the lamentable Miseries endured by Sixtty-Seven Englishmen" zu Deutsch " Neue Nachrichten von den Indianern: oder eine wahre und tragische Abhandlung, welche von dem beklagenswerten Schicksal berichtet, unter dem 67 Engländer zu leiden hatten". Diesem Bericht sind folgende Sätze entnommen:" Als Sie ( die Indianer) sahen, daß wir mit unseren Kanonen nicht trafen, kamen sie so nahe heran, daß sie sich auswählen konnten wo sie uns treffen wollten. Einigen von uns wurde direkt ins Gesicht geschossen, anderen durch die Schulter und manche wurden durch einen Schuß in die Füße am Boden festgenagelt." Der Bericht sagt nichts darüber, aus welcher Entfernung die Engländer beschossen wurden, aber wenn man in einem Kampfesgetümmel noch in der Lage ist, auch bei relativ kurzen Entfernungen mit dem Bogen jemand an einer bestimmten Körperstelle zu treffen, so gehört dazu schon eine ganz bestimmte Geschicklichkeit. Also waren die Indianer doch keine schlechten Bogenschützen ? Um darauf eine Antwort geben zu können, muß man doch mehr aus der Geschichte der Indianer wissen.

Die Indianer, Vettern der besten Bogenreiter in der Geschichte.
Über die Herkunft der Indianer existieren verschiedene Theorien. Am einleuchtendsten und wahrscheinlichsten aber ist die Feststellung, daß sie über die Beringstraße aus Asien eingewandert sein müssen. Diese Zuwanderung geschah wohl nicht in einem Zug, sondern zu verschiedenen Zeiten, so daß sich auch die Fertigkeiten, den Bogen zu handhaben oder zu bauen, verschiedene Entwicklungsstufen voneinander unterscheiden.
Die in Südamerika beheimateten Indianer sind danach als erste zugewandert, und so waren ihre Waffen auch primitiv und nur von geringer Reichweite. Daß sie sich nicht weiterentwickelt haben, liegt schließlich daran, daß es in den dortigen Urwäldern gar nicht notwendig war, eine größere Schußweite zu haben; denn der Jäger war in der Lage, sich sehr nahe an das Opfer heranzuschleichen. Im Norden des Kontinents war das Land von Eskimos besiedelt, dem Stamm, der wohl als letzter zugewandert ist und deshalb in bezug auf den Bogen auch am weitesten fortgeschritten war und durch die völlig kahle Landschaft sich auch gezwungen sah, seine Waffen und seine Schießkunst weiter zu vervollkommnen.
Dazwischen gab es – als der erste weiße Mann seien Fuß auf den Neuen Kontinent setzte – viele Tausend Stämme die auf verschiedenen Kulturstufen standen. Hätte man diese nicht in ihrer Entwicklung gestört, vielleicht wären auch dort große Reiche entstanden von langer Dauer, so wie sie zum Beispiel die Mayas oder Inkas errichteten, über deren Kultur noch heute großes Staunen herrscht. So viele Stämme es gab, so sehr variierten aber auch die Ausführungen des Bogens, und die Theorie, daß die Zuwanderung zu verschiedenen Zeiten erfolgte, wird durch die Tatsache erhärtet.
Wann kamen nun die ersten Völker aus Asien zugewandert und wann die letzten? Genau läßt sich das nicht sagen; aber es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die ganze Wanderung abgeschlossen war, ehe in Asien das Pferd heimisch wurde, Es gab zwar im Gebiet der amerikanischen Staaten einen Vorläufer des Pferdes; das letzte Exemplar dieser Gattung allerdings war ausgestorben, als die ersten Scharen über die Beringstraße kamen. Dem Indianer war das reiten völlig unbekannt, und auch in ihren Sagen sucht man vergeblich nach einem Hinweis auf das Pferd. So ist es erklärlich, daß, als die ersten Spanier zu Pferd angeritten kamen, die Indianer Reiter und Pferd als ein Einziges betrachteten und entsetzt waren, als sich dieses einzige in zwei selbständige Teile aufzulösen begann. Als sie dann aber mit dem Pferd nähere Bekanntschaft machten und auch das Reiten erlernten, wußten sie sofort dessen Wert zu schätzen, und es darf daher als sicher angenommen werden, daß sie ihre Herden mitgebracht hätten, wenn sie in ihrer asiatischen Urheimat das Pferd überhaupt gekannt haben würden.

Auf den jeweiligen Zweck kam es an
Wenn auch die Bekanntschaft mit dem roten Mann oft unter ganz verschiedenen Umständen geschlossen wurde, so konnte man doch ausreichende Kenntnisse über den Stand des Bogenschießens vor und nach der Besiedelung durch die Weißen gewinnen. Ein Blick auf die verschiedenen Bogenarten zeigt, daß in einer bestimmten Gegend immer die Bogenform vorherrschte, die für den jeweiligen Gebrauch am geeignetsten war. Die Eignung stand über allen anderen Voraussetzungen und wurde letzten Endes auch davon bestimmt, ob das zur Anfertigung der Ausrüstung erforderliche Material in dieser Gegend überhaupt zu haben war. Das bedeutet nicht, daß es, wie zum Beispiel der Feuerstein für die Pfeilspitzen, dort unbedingt auch vorkommen mußte – es kann auch durch Händler geliefert worden sein oder man hat Kriegszüge unternommen, um die Stellen, wo der Feuerstein gefunden wurde, in Besitz zu bekommen. Um solche Plätze wurde erbitterte kämpfe ausgefochten, und die Stämme, die derartige Fundstellen beherrschten, mußten oft genug nachfolgenden stärkeren Scharen weichen. Im übrigen hat man festgestellt, daß der wert des Feuersteins nicht von ungefähr war. Es wurde in neuerer Zeit nachgewiesen, daß Pfeilspitzen aus Feuerstein in der indianischen Form eine bessere Durchschlagskraft haben als Metallspitzen der uns bekannten Art. Aus diesem Grund werden von Herstellern in den USA heute wieder Metallspitzen gefertigt, die den indianischen Feuersteinspitzen in der Form aufs Haar gleichen.
Als die alte indianische Lebensform durch das Auftauchen des weißen Mannes gestört wurde, waren alle Stämme ohne Ausnahme Jäger, und sie lebten als Jäger, solange es nur irgendwie ging. Auch die hochzivilisierten Völker wie die Mayas oder die Inkas waren weitgehend auf die Jagd eingestellt. Besonders die nordamerikanischen Indianer waren fast völlig von den großen Büffelherden abhängig, und als der Weiße diese rücksichtslos reduzierte, waren viele Stämme zum Aussterben verurteilt.

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In den nordamerikanischen Gebieten war die Kampfführung völlig verschieden. Die ersten Weißen, die ins Land kamen, mußten zunächst einen breiten Waldgürtel durchstoßen, ehe sie die großen Steppen erreichten. Das Vordringen des weißen Mannes erfolgte fast ausschließlich von der Ostküste her, und dort trafen die weißen Kolonisten aus England, Frankreich und Holland auf Indianerstämme, die aus dem Hinterhalt kämpften und alle Vorteile des bewaldeten Geländes für sich zu nutzen verstanden; "Spezialisten im Dschungelkrieg" würde man sie heute nennen. Schnell jedoch lernten die Weißen von den Indianern - und umgekehrt. Anders verliefen die Gefechte, als die Kolonisten schließlich doch den Waldgürtel hinter sich gebracht hatten und die weiten Prärien Erreichten.
Aber auch dort wären die Siedler den Indianern vielleicht nicht lange Zeit gewachsen gewesen wenn ihnen nicht eine Erfindung von weittragender Bedeutung zur Hilfe gekommen wäre: das Repetiergewähr. Es darf angenommen werden, daß nur mit dessen Hilfe die so lange dauernden Indianerkriege gewonnen werden konnten. Man rechnet das ein Indianer etwa acht Pfeile verschießen konnte, ehe ein Gewehrschütze in der Lage war, seine abgeschossene Waffe neu zu laden. Von dem Moment an als das Repetiergewehr allgemein verbreitet wurde, entschieden sich schließlich immer mehr Gefechte gegen die Indianer, und als diese dann doch auch in den Besitz solcher Waffen kamen, da war die Zahl der Weißen schon so angestiegen, daß die Indianer nicht mehr dagegen aufkommen konnten. Nicht der Indianer selbst ist schuld daran, daß er als Bogenschütze in der Geschichte der Menschheit keine Rolle gespielt hat, sondern die Umstände. So aber muß man sagen das der Indianer wohl ein guter Bogenjäger gewesen ist, daß er aber bei einem Turnier, wie man es heute veranstaltet, nicht über den durchschnitt hinausgekommen wäre. Es muß wieder daran erinnert werden, daß der Indianer den Bogen als Mittel zur Nahrungsbeschaffung betrachtete und zufrieden war, wenn er auf den Schuß sein Wild erbeuten konnte. Denn in erster Linie war der Indianer mit dem Bogen ein Jäger und erst in zweiter Linie ein Krieger

 


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